Platzangst und Hypnose: Wie du wieder freier atmen kannst

Ob im Lift, in engen Räumen oder unter vielen Menschen: Platzangst kann den Alltag stark einschränken. Hier erfährst du, was hinter Klaustrophobie und Agoraphobie steckt und wie Hypnose dich begleiten kann.

Abendstimmung am Meer in Norwegen, friedlich, weit, ruhig, beruhigendes Farbenspiel

Wenn enge Räume oder Menschenmengen Angst machen

Die Lifttür geht auf, und dein Herz beginnt zu rasen. Oder du stehst in einem engen Raum mit vielen Menschen und hast das Gefühl, nicht mehr wegzukommen. Du erlebst Zittern, Schweissausbrüche, Enge auf der Brust und/oder Herzklopfen. Die Angst ist im Alltag gegenwärtig, du beginnst diese Orte und Situationen zu meiden, ziehst dich zurück und fühlst dich dadurch oftmals eingeschränkt.

Angst oder Phobie?

Angst ist zunächst etwas Gesundes: Sie schützt dich vor Gefahren. Von einer Phobie spricht man, wenn sich diese Angst unangemessen und irrational vor bestimmten Situationen, Tieren oder Objekten zeigt. Oftmals weiss die betroffene Person, dass die Angst irrational ist und keine echte Gefahr besteht, aber die Angst und die körperlichen Symptome sind stärker. Unter dem Begriff «Platzangst» wird im Alltagsgebrauch vieles genannt. Fachlich unterscheidet man zwei Formen:

  • Klaustrophobie

    Angst vor engen oder geschlossenen Räumen, etwa im Lift, in einem Tunnel oder im MRI.

  • Agoraphobie

    Angst vor Menschenmengen, weiten Plätzen oder Situationen, aus denen du nicht schnell herauskommst.

Ob Klaustrophobie oder Agoraphobie: Für meine Arbeit spielt das keine Rolle. In der Hypnose arbeiten wir mit dem Gefühl, das mit der Situation verknüpft ist, und nicht mit dem Etikett.

Wichtig: Hypnose kann dich begleiten, ersetzt aber keine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung. Wenn deine Angst sehr stark ist oder dich im Alltag stark einschränkt, lass dich bitte zuerst ärztlich beraten.

Wie Hypnose bei Platzangst helfen kann

In der Hypnose begleite ich dich mit Worten durch den ganzen Prozess. Während der Hypnose gehen wir gemeinsam in die Situationen, die dir Angst machen, und verbinden sie mit neuen Bildern und Gefühlen. Oder wir stärken zuerst deine Ressourcen und deinen Selbstwert. Welchen Weg wir einschlagen, entscheiden wir gemeinsam im Vorgespräch.

Wichtig dabei ist, dass du offen sein kannst für neue Möglichkeiten und dass du daran glauben kannst, dass sich etwas verändern kann. In der Hypnose arbeiten wir mit inneren Bildern, Erinnerungen, neuen Bildern und setzen so neue Impulse, sogenannte Anker. Diese können dich im Alltag nach der Sitzung unterstützen, die neuen Impulse umzusetzen. Anker bestehen oftmals aus Gesten, Symbolen, Lieder, Fotos, Düfte, die dein Unterbewusstsein dir präsentiert.

So läuft eine Begleitung ab

  • Wir klären, in welchen Situationen deine Angst auftaucht und wie stark sie jeweils ist, auf einer Skala von 0 bis 10. Wir sprechen auch über deine Körperreaktionen, etwa Schweissausbrüche, Zittern oder Atembeschwerden, und wann sie auftreten. Auch wie stark die Angst schon beim Daran-Denken und beim Darüber-Reden ist, halten wir auf der Skala fest.

  • Wenn du zum ersten Mal da bist, erkläre ich dir, was in der Hypnose geschieht und welche Trancestufen es gibt. Ich erkläre dir, welche Trancestufe wir benötigen, um dein Anliegen bearbeiten zu können und wie sich das für dich anfühlen wird. Ganz wichtig dabei: du bist jederzeit fähig, einfach aufzustehen und zu gehen. Du schläfst nicht und bist auch nicht in einem ausgelieferten Zustand.

  • In der Trance lade ich dich ein, dich an verschiedene Situationen zu erinnern oder Bilder hochkommen zu lassen. Dein Unterbewusstsein kommuniziert in einer Bildersprache und so arbeiten wir auch damit. Man hat herausgefunden, dass das Unterbewusstsein in der Trance sehr offen ist für neue Bilderinputs und kreative Lösungsfindung.

  • Bei Phobien sind die Körperreaktionen von Angst gekoppelt mit der auslösenden Situation. Wir gehen gemeinsam in die auslösenden Situationen und verändern die Bilder zusammen mit dem Gefühl. Ziel ist, den angstauslösenden Bildern etwas Positives hinzuzufügen. Im Idealfall kannst du dich dabei entspannen, und die Körpersymptome werden schwächer oder lösen sich ganz auf.

  • Nach der Hypnose besprechen wir, wie du die neuen Bilder und Anker in deinen Alltag mitnimmst. Ich halte die wichtigsten Punkte für dich schriftlich fest. Zuhause lässt du sie jeden Tag in einem entspannten Zustand wieder hochkommen. Das hilft deinem Unterbewusstsein, die neue Version dieser Situationen zu festigen.

Porträt von Nadine Altherr, freundlich lachend

Ein Beispiel aus meiner Praxis

Eine Person kam zu mir, weil sie im Lift Angst hatte. Seit Jahren war sie keinen Lift mehr gefahren, und auch in kleinen oder engen Räumen fühlte sie sich unwohl.

Im Vorgespräch erzählte sie von einem Erlebnis in einem Lift, das die Angst ausgelöst hatte. Nicht alle Menschen mit einer Angst oder Phobie kennen einen solchen Auslöser. Das ist in Ordnung, wir können trotzdem daran arbeiten. Hier gab es aber einen klaren Moment.

In der ersten Sitzung sind wir in der Hypnose in diese Situation zurückgegangen. Auf der Skala lag die Angst bei 9 von 10. Gemeinsam haben wir die Situation bildlich und emotional verändert. Das hat ihr viel Entspannung gebracht.

In der zweiten Sitzung haben wir die Desensibilisierung durchgeführt. Eine Desensibilisierung bedeutet, dass man in der Hypnose in verschiedenen Situationen hineingeht, in denen die Angst von sehr schwach bis sehr stark vorhanden ist. Wir gehen jede Situation durch und lösen die Gefühle von der jeweiligen Situation ab. Heute fährt die Person wieder Lift und hat in engen, kleinen Räumen zwar noch immer ein mulmiges Gefühl, kann sich aber wieder darin aufhalten und ihren Alltag dadurch entspannter geniessen.

Wichtig dabei: Jeder Weg ist anders. Dieses Beispiel zeigt, was möglich ist, aber es ist kein Versprechen für jede Begleitung.

Häufige Fragen zu Platzangst und Hypnose

Nein. Du schläfst nicht und kannst die ganze Zeit mit mir sprechen. Du kannst jederzeit aufstehen, gehen oder die Hypnose abbrechen. Das man denkt, man verliert die Kontrolle kommt von der Showhypnose, die es früher gab. Die heutige Hypnose hat damit nichts zu tun und ist eine wissenschaftlich fundierte Methode.

Nein. Viele Menschen mit Ängsten oder Phobien kennen keine klare auslösende Situation. Das ist in Ordnung, wir können trotzdem daran arbeiten. Es gibt verschiedene Techniken in der Hypnose und im Gespräch entscheiden wir gemeinsam, was am besten für dich passt.

Das ist sehr individuell. Manchen Menschen geht es schon nach einer Sitzung viel besser. Andere kommen ein- bis dreimal, und manche kommen nach einigen Monaten für eine zweite Sitzung wieder. Andere wiederum berichten, dass ihnen bereits eine Sitzung gereicht hat.

Eine Sitzung dauert höchstens 90 Minuten. Wenn wir uns noch nicht kennen und das Erstgespräch mit anschliessender Hypnose zusammenkommen, kann es auch einmal zwei Stunden dauern.

Porträt von Nadine Altherr, freundlich lachend

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